Im Mittelalter, lange vor dem Erlass des deutschen Reinheitsgebotes, war es verbreitet, anstatt des Hopfens eine Art Kräutermischung zur Würzung der Biere zu benutzen. Dieses sogenannte Grut konnte je nach Region und Jahreszeit die unterschiedlichsten Kräuter enthalten. Da der Hopfen aber das Bier länger haltbar machte und insgesamt auch besser schmeckte konnte er sich irgendwann durchsetzen. Zudem wurden teils gifte oder stark berauschende Substanzen beigemischt, was letztendlich zum Erlass des Reinheitsgebots führte. Die Stadsbrouwerij aus Gent möchte jedoch mit ihren Bieren wieder an diese alte mittelalterliche Tradition anknüpfen und wirbt damit keinen Hopfen für ihre Biere zu verwenden. Stattdessen wird mit einer speziellen Krautmischung aus mittelalterlichen Bieren gebraut. Mit dem Inferno habe ich direkt das stärkste Bier, das stilistisch in Richtung eines Tripels geht, im Test. Der Alkoholgehalt liegt entsprechend auch bei 9%.
Zur Optik: Ein klar filtriertes, dunkelgoldenes Bier. Es hat einen sehr ordentlichen weißen Schaum.
Zum Geruch: Ein sehr fileschichtiges Bier mit getreidiger Geruch. Aber auch Honig, Kandiszucker und eine gute Portion Kräuter kann ich riechen.
Zum Geschmack: Ich habe ein Bier das durchaus sehr kräftig und geschmacklich intensiv ist, aber dennoch trotz seines Alkoholgehalts nicht zu schwer wirkt. Den Alkohol schmeckt man tatsächlich kaum heraus. Es bringt eine angenehme bittere mit und kräutrige, würzige Noten im Abgang. Im Gegensatz zum Malz sind die Kräuternoten aber nur dezent und bestimme nicht den Geschmack. Hier zeigt sich ein süßmalziges Aroma, gepaart mit etwas Lebkuchen, was wohl auch von der Kräutermischung kommt und Honig sowie Kandiszucker. Die Kohlensäure ist doch eher hoch dosiert und macht das Bier sehr spritzig. Eine leichte Säure und Zitrusnoten runden den Geschmack ab.
Zum Fazit: Wirklich interessant und spannend. Durch den fehlenden Hopfen ist es zwar etwas weniger Herb, jedoch gibt es durchaus auch Biere mit Hopfen die einen ähnlichen kräutrigen Geschmack erzeugen. Insgesamt sehr gut ausbalanciert und für mich auch die Höchstwertung von 5 Sternen wert.